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Die Verwirklichungsstufen

Die Verwirklichung einer Straftat lässt sich in fünf verschiedene Stadien einteilen, beginnend mit der Planung und Vorbereitung einer Straftat, über den Versuch der Verwirklichung, bis hin zu dessen Vollendung und schließlich der (finalen) Beendigung. Diese chronologisch vorgenommene Differenzierung ist unter anderem für die Bestrafung des Täters von wesentlicher Bedeutung, denn sie entscheidet nicht nur über die Strafbarkeit des Täters an sich, sondern gegebenenfalls ebenfalls über mögliche Strafminderungen.

Folgende 5 Stadien werden nachfolgend näher erläutert und in Bezug zueinander gesetzt:

PlanungVorbereitungVersuchVollendungBeendigung


Phase 1: Die Planung (i.d.R. straffrei)
Zu Beginn einer jeden Straftat steht zwangsläufig der Entschluss des Täters strafrechtlich relevant zu handeln. Kernelement dieser Phase ist demnach der Entschluss ein konkretes Delikt verwirklichen zu wollen. Die Planung einer Straftat ist im Regelfall nicht strafbar, was sich bereits aus dem Umstand ergibt, dass es schwer bis unmöglich ist, die Planung einer Straftat nachzuweisen, solange sie sich ausschließlich in den unerreichbaren Gedanken des Täters abspielt.

SV: Der arbeitslose Anton (A) hat sich über die Jahre hinweg massiv verschuldet und kommt nun mit den Rückzahlungen in Verzug. Da Anton’s Bruder Bernhard (B) in einem gut sortierten Supermarkt arbeitet, weiß er, dass die prallvollen Kassen jeden Tag um 15:00 Uhr für zwei Stunden unbewacht in einer Nebenkammer des Supermarktes aufbewahrt werden. Er fasst den Entschluss sich am nächsten Tag das Geld zu holen.

Der reine Entschluss einen Diebstahl nach § 242 StGB zu begehen, reicht für eine Strafbarkeit des A nicht aus. A hat keine Besrafung zu befürchten. An diesem Punkt sei allerdings auf eine wichtige Ausnahme hingewiesen, denn nicht immer entfällt die Strafbarkeit im Planungsstadium. Anders sieht es beispielshalber bei der folgenden Fallkonstellation aus:

SV: Wie im oben aufgeführten Fall möchte sich Anton das Geld des Supermarktes schnappen um seine Schulden zu tilgen. Er denkt jedoch, dass es einfacher wäre, seinen Bruder Bernhard mit „ins Boot zu holen“, da Bernhard ohne großes Aufsehen zu erregen die Nebenkammer betreten und verlassen kann. Die beiden einigen sich darauf, dass die Beute geteilt wird, nachdem Bernhard das Geld erfolgreich aus dem Supermarkt befördert hat. Wieder soll die Tat am nächsten Tag erfolgen.

Hier werden die Voraussetzungen des § 30 Abs. 2 StGB erfüllt, welcher besagt, dass derjenige bestraft wird, der sich bereit erklärt oder sich mit einem anderen verabredet, ein Verbrechen zu begehen. Hier verlässt die Planung die Gedankenwelt des Täters und manifestiert sich in einer Verabredung zur Begehung einer Straftat, welche bereits unter Strafe gestellt ist. B ist im selben Maße betroffen, da er sich im Sinne der Norm (§ 30 Abs. 2 Var. 1 StGB) dazu „bereit erklärt“ hat den Diebstahl durchzuführen. Demnach entfällt für beide gleichermaßen die Straffreiheit.

Phase 2: Die Vorbereitung (i.d.R. straffrei)
Unmittelbar auf die Planung folgt die Vorbereitung. Sie soll alle notwendigen Voraussetzungen schaffen, die zur Deliktsverwirklichung notwendig sind. Obwohl sie die Straftat vorbereitet und somit nicht unwesentlich zu dessen Verwirklichung beiträgt, setzt die Vorbereitung noch nicht zur eigentlichen Tatbestandsverwirklichung an, und ist – abgesehen von einigen gesondert geregelten Ausnahmen – straffrei. Charakterisierend für die Vorbereitung, im unmittelbaren Gegensatz zum Versuch, ist die Distanz zur Rechtsgutsverletzung, oder vereinfacht ausgedrückt, die Vorbereitung schafft zwar die Voraussetzungen zur Tatbestandsverwirklichung, die eigentliche Tatausführung und der Taterfolg sind noch in weiter Ferne.

SV: Anna (A) ist kürzlich 18 Jahre alt geworden. Genervt von der Tatsache, dass alle ihre Freunde bereits ein eigenes Auto besitzen, entschließt sie sich, den Porsche 911 ihres Nachbarn für ihre morgige Geburtstagsfeier „auszuleihen“. Besitzer Bruno (B) untersagte ihr zuvor den Gebrauch. Da Anna das Auto regelmäßig für ihren Nachbarn putzt, lässt sie am Vorabend der Geburtstagsfeier das Garagentor unverschlossen und platziert den Autoschlüssel gut erreichbar auf einer Ablage. Auf diese Weise erhofft sie sich, schnell den Wagen entwenden und unbemerkt zurückbringen zu können.

A bereitet eine Straftat vor, konkret den unbefugten Gebrauch eines Fahrzeugs nach § 248b StGB. Durch ihre Vorbereitungshandlungen werden die Voraussetzungen zur Deliktsverwirklichung geschaffen, denn ohne jene, wäre das Fahrzeug für die geplante Wegnahme unerreichbar. Die Straftat selbst, die darin besteht, das Fahrzeug unbefugt zu gebrauchen, sowie die damit einhergehende Schädigung des B (Verletzung des Eigentums / Gebrauchsrechts), ist noch in weiter Ferne. Ein unmittelbares Ansetzen zur Deliktsverwirklichung ist mithin zu verneinen, da zunächst weitere Zwischenschritte notwendig wären und eine zeitlich-räumliche Distanz zur Tatbegehung besteht. A hat in diesem Stadium (noch) keine Bestrafung zu befürchten.

Nicht in jedem Fall ist die Vorbereitung einer Straftat straffrei. Im besonderen Teil des Strafgesetzbuches finden sich zahlreiche Ausnahmeregelungen, bei denen auch die Vorbereitung zum Schutz besonders wichtiger Rechtsgüter explizit unter Strafe gestellt wird. So stellt § 310 StGB die Vorbereitung eines Explosions- oder Strahlungsverbrechen ausdrücklich unter Strafe. Weitere Beispiele für Vorbereitungshandlungen unter Strafandrohung finden sich in den §§ 149 StGB (Geldfälschung), 234a III StGB (Verschleppung), 316c IV StGB (Angriff auf den Luft- / Seeverkehr), 275 StGB (Fälschung von amtlichen Ausweisen) (…) Den aufgezählten Normen ist eines gemein, bereits die Vorbereitung stellt die Vollendung der jeweiligen Norm dar, sodass es bei diesen Normen keine Unterteilung in die sonstigen hier angeführten Stadien gibt, sondern nur die Vollendung.

Phase 3: Der Versuch
Ab dieser Phase ist eine grundsätzliche Straffreiheit zu verneinen, da erstmals eine Gefährdung für das geschützte Rechtsgut besteht, wobei eine Bestrafung nur unter den Voraussetzungen der §§ 12, 22, 23 I StGB erfolgt. Strafbar ist grundsätzlich lediglich der Versuch eines Verbrechens, nicht aber der Versuch eines Vergehens (§ 23 Abs. 1 Var. 1 StGB), es sei denn, die Strafbarkeit des Versuches eines Vergehens wird ausdrücklich gesetzlich bestimmt. Ob es sich bei einer bestimmten Norm um ein Verbrechen oder um ein Vergehen handelt, lässt sich anhand des Strafmaßes erkennen. Verbrechen sind rechtswidrige Taten mit einem Mindeststrafmaß von einem Jahr oder darüber (§ 12 Abs. 1 StGB), währenddessen Vergehen rechtswidrige Taten sind, die im Mindeststrafmaß mit einer geringeren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bedroht sind (§ 12 Abs. 2 StGB). Gemäß der Legaldefinition aus § 22 StGB versucht eine Straftat, „wer nach seiner Vorstellung von der Tat zur Verwirklichung des Tatbestandes unmittelbar ansetzt.“ Es besteht bereits eine Gefährdung für das Rechtsgut, allerdings werden nicht alle objektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt, wodurch die Vollendung der Tat verhindert wird.

SV: Soldat Armin (A) ist begeistert von der aufwändig verzierten und sündhaft teuren Taschenuhr seines Kameraden Bernd (B). Umso mehr freut es ihn, als er erfährt, dass er sich künftig mit Bernd ein Zimmer teilen soll. Hier wittert er die optimale Gelegenheit um endlich das Objekt seiner Begierde an sich zu reißen. Sofort als Bernd eingeschlafen ist, greift er nach der Armbanduhr. Leider verursacht er dabei so viel Lärm, dass der sich im Leichtschlaf befindende Bernd wach wird und ihn auf frischer Tat ertappt. Sofort nimmt er seine Uhr an sich und ruft die Polizei.

Im vorliegenden Sachverhalt setzt A von seiner Vorstellung von der Tat unmittelbar zu dessen Verwirklichung an, allerdings ohne die Tat vollends zu verwirklichen, denn die Wegnahme wurde rechtzeitig durch B vereitelt. Es kam nicht zu einem Gewahrsamsbruch, geschweige denn zur Begründung neuen Gewahrsams. Zu prüfen ist der versuchte Diebstahl (§ 242 StGB) an A. Ein Blick ins Gesetz verrät, dass es sich beim Diebstahl um ein Vergehen (Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre oder Geldstrafe) handelt. Dennoch ist der Versuch strafbar, da die Strafbarkeit des Versuches in § 242 Abs. 2 StGB ausdrücklich bestimmt ist: „Der Versuch ist strafbar.“ Eine detaillierte Erläuterung zur Strafbarkeit und Prüfung eines Versuches findet sich in einem gesonderten Artikel: Der Versuch (Prüfungsschema)

Phase 4: Die Vollendung
Die Vollendung tritt ein, wenn der Täter sämtliche Tatbestandsmerkmale restlos erfüllt hat. So ist ein Diebstahl (§ 242 StGB) vollendet, wenn der Täter eine fremde bewegliche Sache in Zueignungsabsicht weggenommen hat, ein Totschlag (§ 212 StGB), wenn ein anderer Mensch zu Tode kommt, eine Sachbeschädigung (§ 303 StGB), wenn eine fremde bewegliche oder unbewegliche Sache beschädigt, zerstört, oder in ihrem Erscheinungsbild nicht nur unerheblich verändert wird … usw.

SV: Andreas (A) ist von seiner Freundin Bianka (B) betrogen worden. Um sich über diese Enttäuschung hinwegzutrösten, möchte er ihre Vasensammlung, zu der er maßgeblich durch zahlreiche Schenkungen beigetragen hat, zerstören. Am Abend desselben Tages verschafft er sich ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung Zugang zu ihrer Wohnung und schlägt mit einem Baseballschläger wiederholt auf die sensible Keramik ein, bis die gesamte Sammlung vernichtet ist.

A hat eine vollendete Sachbeschädigung im Sinne des § 303 StGB begangen, denn sämtliche Tatbestandsmerkmale sind durch die rechtswidrige und schuldhafte Zerstörung der Vasensammlung erfüllt worden. Desweiteren liegt ein vollendeter Hausfriedensbruch nach § 123 StGB vor, welcher allerdings nur auf Antrag strafrechtlich verfolgt wird.

Warum muss zwischen Versuch und Vollendung differenziert werden? Mit Eintritt der Vollendung entfällt der strafbefreiende Rücktritt vom Versuch (§ 24 StGB) und die Möglichkeit der fakultativen Strafmilderung nach den §§ 23 Abs. 2, 49 Abs. 1 StGB, nach welchen der Versuch einer Straftat milder bestraft werden kann als die vollendete Straftat. Das Versuchsstadium ist somit für den Täter günstiger, zumindest was die Bestrafung angeht.

Phase 5: Beendigung
Zugegeben, Vollendung und Beendigung klingt wie ein und dasselbe, aber aufgepasst, denn das ist nicht ganz richtig! Während die Vollendung bereits mit der Erfüllung der tatbestandlichen Merkmale eintritt, tritt die Beendigung erst in dem Moment ein, in dem das strafbare Unrecht seinen tatsächlichen Abschluss gefunden hat. Das heißt, wer kontinuierlich auf einen Menschen einschlägt, hat bereits mit dem ersten erfolgreichen, rechtswidrigen und schuldhaften Schlag eine vollendete Körperverletzung begangen, da die tatbestandlichen Voraussetzungen des § 323 StGB hinreichend erfüllt sind. Erst nach dem letzten Schlag lässt sich von Beendigung sprechen, da das strafbare Unrecht, hier die Schläge, ihren endgültigen Abschluss gefunden haben.

SV: Anke (A) möchte endlich in ihre eigene Wohnung ziehen und auf eigenen Beinen stehen. Mutter Beate (B) denkt nicht im Traum daran ihre Tochter ausziehen zu lassen, wo sie doch sonst niemanden hat, der sich um sie kümmert. Als sie merkt, dass sich ihre Tochter nicht von ihrem Plan abbringen lässt, entschließt sie sich kurzerhand, ihre Tochter einzusperren, damit sie bei ihr bleibt. Hierzu schließt sie Anke in ihrem Zimmer ein, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Anke das Zimmer nicht durch ihr Fenster verlassen kann, da selbiges schon seit einiger Zeit klemmt. Anke wird erst zwei Wochen später von einer Nachbarin bemerkt, die schließlich die Polizei ruft, sodass Anke befreit werden kann.

Durch die Einsperrung von A hat sich B der vollendeten Freiheitsberaubung (§ 239 StGB) zu verantworten. Die Rechtsgutsverletzung in konkreter Gestalt der Beeinträchtigung der Fortbewegungsfreiheit hat solange fortgedauert bis A befreit wurde, daher lässt sich von Beendigung erst zum Zeitpunkt der Befreiung sprechen. Erst mit der Befreiung wurde das strafbare Unrecht abgeshclossen. Da A zwei Wochen festgehalten wurde, erhöht sich das Strafmaß nach § 239 Abs. 3 Nr. 1 StGB auf eine Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahre.

Warum unterscheidet man zwischen Vollendung und Beendigung? Das hat diverse Gründe. Ein wichtiger Aspekt ist die Verjährungszeit, die gemäß § 78a StGB erst mit der Beendigung beginnt. Qualifizierende Tatbestände greifen weiterhin nur bis zur Vollendung der Tat, ab der Vollendung aber vor deren Beendigung sind sie aber nicht mehr von Relevanz. Auch für Fälle der Mittäterschaft und Beihilfe kann eine genaue Differenzierung von Vollendung und Beendigung unter Umständen entscheidend sein (siehe: Formen von Täterschaft und Teilnahme).

Was muss ein Jurastudent an Fähigkeiten mitbringen?

Der Studiengang der Rechtswissenschaften erfreut sich großer Beliebtheit. Jährlich entscheiden sich bundesweit etwa hunderttausend Abiturienten für das Studium der Rechtswissenschaft in der Hoffnung später in einer juristischen Tätigkeit ihr berufliches Glück zu finden. Viele von ihnen brechen allerdings frühzeitig ab, wechseln den Studiengang, oder sind nicht in der Lage den universitären Teil der juristischen Schulung erfolgreich abzuschließen. Die Durchfallquoten sind teils beachtlich. Die häufigste Ursache: Der Studiengang wird unterschätzt oder falsch eingeschätzt. Für viele Studierende ist dieser Studiengang lediglich eine „Notlösung“, etwa weil der gewünschte Studiengang nicht verfügbar war und Jura doch „eine vernünftige Sache ist“. Tatsächlich verlangt dieser Studiengang von den Studierenden einiges ab. Falls Sie mit dem Gedanken spielen Jura zu studieren, soll dieser Artikel Ihnen aufzeigen was Sie erwartet und was Sie an Fähigkeiten und (Grund-)Voraussetzungen bereits zu Studienbeginn mitbringen sollten.

Sprachliche Fähigkeiten und Ausdrucksstärke

Was der Fußball für einen Fußballer ist, ist die Sprache für einen Juristen. Ein Jurastudent muss in der Lage sein sich gut in Wort und Schrift auszudrücken. Neben den Gesetzestexten und Kommentaren ist die Sprache das wichtigste Werkzeug des Juristen, im Studium und später in der Arbeitswelt. Wer Probleme hat sich zu artikulieren, oder Worte aufs Papier zu bringen, der muss jedoch nicht daran verzweifeln. Es sind erlernbare Fähigkeiten. Es hilft bereits vor dem Spiegel oder in Anwesenheit von Freunden und Familie einen Vortrag zu halten. Wer das regelmäßig tut, verbessert automatisch seine Fähigkeit (vor Menschen) zu sprechen. Im Studium selbst, bilden sich in aller Regel „Lerngruppen“, die ganz gezielt darauf hinarbeiten. Hier wird beispielsweise gemeinsam für eine mündliche Prüfung gelernt. Da kommt jeder zum Zug und erhält bestenfalls eine konstruktive Rückmeldung der anderen. Schriftlich gilt dasselbe Prinzip: Übung macht den Meister. Regelmäßig zu lesen und selbst Texte zu verfassen bildet eine solide Grundlage um sprachliche Fähigkeiten auszubauen und vorhandene Mängel zu reduzieren / beseitigen. Es hilft ebenfalls sehr sich Rechtsgutachten von anderen Jurastudenten oder Juristen durchzulesen. Hier kann man sich die eine oder andere gelungene Formulierung abschauen und man hat ein gutes Beispiel vor Augen wie ein gelungenes Rechtsgutachten auszusehen hat. Natürlich lernt man die Form und den Charakter eines Rechtsgutachtens erst im Studium selbst kennen, es ist keine Voraussetzung bereits darüber Bescheid zu wissen. Das ergibt sich in Vorlesungen zur „juristischen Arbeitsmethodik“ ganz von selbst. Weiterhin erwähnenswert sind Englischkenntnisse. Die meisten deutschen Universitäten verpflichten zu einem Kurs „Juristenenglisch“. Es hilft sehr wenn eine gewisse fremdsprachliche Grundlage bereits da ist, auf die anschließend aufgebaut werden kann. Diese Kurse beginnen schließlich nicht bei null – die Fähigkeit etwas Englisch verstehen, sprechen und schreiben zu können sollte schon vor vorneherein vorhanden sein.

Die Fähigkeit des abstrakten Denkens

Neben einem gesunden Menschenverstand und der Fähigkeit sich Zusammenhänge logisch zu erschließen, muss man darüberhinaus auch in der Lage sein abstrakt zu denken. Einige Theorien der Rechtswissenschaft sind kaum vorstellbar, geradezu abstrakt und lebensfern. Trotzdem muss man sich diese Theorien erschließen können. Es ist eine ganz neue Form zu denken, weil es sichtlich schwer fallen wird auf bekanntes oder vergleichbares zurückgreifen zu können. Ein guter Jurastudent sollte in der Lage sein sich in komplizierte Sachverhalte hereinzudenken. Auch das ist erlernbar, eine gewisse Veranlagung abstrakt zu denken schadet aber sicherlich nicht.

Willensstärke und psychische Belastbarkeit

Machen wir uns nichts vor, das Studium wird nicht einfach werden. Der Studiengang der Rechtswissenschaften besitzt sein eigenes gnadenloses Notensystem (insgesamt 18 Punkte) und vergeben werden in der Regel nur Noten von „befriedigend“ und abwärts. Der Durchschnitt liegt bei „ausreichend“. Wer gute Noten gewohnt ist, das werden wohl die meisten sein, muss eine gute Portion Selbstbewusstsein mitbringen, denn schlechte Noten sind gerade in diesem Studienfach keine Seltenheit. Im Vergleich zu anderen Studiengängen fallen die Noten deutlich schlechter aus. Das ist eine kaum erklärbare juristische Eigenart, denn Jurastudenten sind sicherlich nicht „unfähiger“ als andere Studenten. Trotzdem sind oft Versagens- oder gar Existenzängste vorherrschend. Die Note des ersten Staatsexamens entscheidet maßgeblich über die berufliche Laufbahn. Wer hier schlecht abschneidet muss später um einen Job bangen. Andersherum haben erfolgreiche Absolventen der Staatsexamen beinahe freie Wahl welchen Stelle sie annehmen möchten: Gute Juristen werden immer gesucht! Es ist für neue Studenten eine komplett neue Situation sich jahrelang (4.5 Jahre Regelstudienzeit) auf eine Prüfung vorzubereiten, aber die hat es in sich. Hier gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren, auch wenn der eine oder andere Fehlschlag dazu einlädt sich herunterziehen zu lassen. Freizeit ist für Jurastudenten übrigens rar. Meistens muss man darauf verzichten mit seinen Freunden feiern zu gehen, weil noch Arbeit ansteht. In den Semesterferien sind obligatorische Praktika oder Hausarbeiten zu absolvieren. Wer nichts zu tun hat, der macht eindeutig etwas falsch. Das alles erfordert einen starken Willen, eine hohe Motivation und womöglich am wichtigsten, ein reges Interesse für das was man tut.

Organisationstalent

Von der Schulzeit mag man es noch gewohnt sein, ein paar Tage vor der Klausur mit dem Lernen anzufangen. Da ist dieses Prinzip auch wunderbar aufgegangen. Die Anforderungen an eine Klausur während des Studiums sind aber gänzlich anders, hier kann man sich leicht überschätzen und eine Klausur total verhauen. Vorlesungen zu besuchen ist die eine Sache, diese aber im Anschluss ordentlich und wohl geplant nachzubereiten eine ganz andere. Hier ist Selbstständigkeit gefordert. Man sollte am besten eigene Lernmethoden und Lernzeiten entwickeln, sich selbst organisieren. Hat man erst einmal einen Weg gefunden Freizeit und Lerneinheiten miteinander zu verbinden, wird das Studium um ein vielfaches einfacher. Eine gute Organisation und die damit einhergehenden Organisationsfähigkeiten sind daher von entscheidender Bedeutung – planlos sollte niemand durchs Studium gehen. Daher bietet es sich geradezu an zumindest etwas Organisationstalent und Selbstständigkeit zu besitzen. Man kann auf beides nicht verzichten.

Sind die Abiturnoten entscheidend?

Hier antworte ich mit einem klaren „nein“. Die Abiturnoten sind nicht von Relevanz. Grundsätzlich sollte jeder mit einem Abitur Jura studieren können. Meistens ist dieser Studiengang nicht zulassungsbeschränkt, wenn es dann doch der Fall sein sollte liegen die NC-Werte in einem sehr wohl erreichbaren Rahmen. Die Zulassung zum Studium ist also gesichert, auch wenn jemand mit einem schlechten Abitur gegebenenfalls nicht seine Wunschuniversität besuchen kann. Die Abiturnoten sagen jedenfalls nichts über die Eignung als Jurist aus. Es gibt Menschen die ein mäßiges bis schlechtes Abitur abgelegt haben und anschließend mehr als erfolgreich das Jurastudium abschließen konnten. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, gute Abiturnoten und dennoch folgt ein schlechtes Studium. Die Abiturnoten sagen also prinzipiell nichts über die Eignung zum Jurastudium aus, noch weniger über dessen Ausgang. Trotzdem lassen sich hier Tendenzen ablesen, wer es gewohnt ist viel und richtig zu lernen der wird sehr wohl mit besseren Voraussetzungen ins Studium gehen als jemand der bisher noch keine diesbezüglichen Anstrengungen unternommen hat. Wer nicht vorhat im Studium zu lernen der sollte sich das ganze doch noch einmal überlegen, da kommt man nämlich nicht drumherum.