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Was muss ein Jurastudent an Fähigkeiten mitbringen?

Der Studiengang der Rechtswissenschaften erfreut sich großer Beliebtheit. Jährlich entscheiden sich bundesweit etwa hunderttausend Abiturienten für das Studium der Rechtswissenschaft in der Hoffnung später in einer juristischen Tätigkeit ihr berufliches Glück zu finden. Viele von ihnen brechen allerdings frühzeitig ab, wechseln den Studiengang, oder sind nicht in der Lage den universitären Teil der juristischen Schulung erfolgreich abzuschließen. Die Durchfallquoten sind teils beachtlich. Die häufigste Ursache: Der Studiengang wird unterschätzt oder falsch eingeschätzt. Für viele Studierende ist dieser Studiengang lediglich eine „Notlösung“, etwa weil der gewünschte Studiengang nicht verfügbar war und Jura doch „eine vernünftige Sache ist“. Tatsächlich verlangt dieser Studiengang von den Studierenden einiges ab. Falls Sie mit dem Gedanken spielen Jura zu studieren, soll dieser Artikel Ihnen aufzeigen was Sie erwartet und was Sie an Fähigkeiten und (Grund-)Voraussetzungen bereits zu Studienbeginn mitbringen sollten.

Sprachliche Fähigkeiten und Ausdrucksstärke

Was der Fußball für einen Fußballer ist, ist die Sprache für einen Juristen. Ein Jurastudent muss in der Lage sein sich gut in Wort und Schrift auszudrücken. Neben den Gesetzestexten und Kommentaren ist die Sprache das wichtigste Werkzeug des Juristen, im Studium und später in der Arbeitswelt. Wer Probleme hat sich zu artikulieren, oder Worte aufs Papier zu bringen, der muss jedoch nicht daran verzweifeln. Es sind erlernbare Fähigkeiten. Es hilft bereits vor dem Spiegel oder in Anwesenheit von Freunden und Familie einen Vortrag zu halten. Wer das regelmäßig tut, verbessert automatisch seine Fähigkeit (vor Menschen) zu sprechen. Im Studium selbst, bilden sich in aller Regel „Lerngruppen“, die ganz gezielt darauf hinarbeiten. Hier wird beispielsweise gemeinsam für eine mündliche Prüfung gelernt. Da kommt jeder zum Zug und erhält bestenfalls eine konstruktive Rückmeldung der anderen. Schriftlich gilt dasselbe Prinzip: Übung macht den Meister. Regelmäßig zu lesen und selbst Texte zu verfassen bildet eine solide Grundlage um sprachliche Fähigkeiten auszubauen und vorhandene Mängel zu reduzieren / beseitigen. Es hilft ebenfalls sehr sich Rechtsgutachten von anderen Jurastudenten oder Juristen durchzulesen. Hier kann man sich die eine oder andere gelungene Formulierung abschauen und man hat ein gutes Beispiel vor Augen wie ein gelungenes Rechtsgutachten auszusehen hat. Natürlich lernt man die Form und den Charakter eines Rechtsgutachtens erst im Studium selbst kennen, es ist keine Voraussetzung bereits darüber Bescheid zu wissen. Das ergibt sich in Vorlesungen zur „juristischen Arbeitsmethodik“ ganz von selbst. Weiterhin erwähnenswert sind Englischkenntnisse. Die meisten deutschen Universitäten verpflichten zu einem Kurs „Juristenenglisch“. Es hilft sehr wenn eine gewisse fremdsprachliche Grundlage bereits da ist, auf die anschließend aufgebaut werden kann. Diese Kurse beginnen schließlich nicht bei null – die Fähigkeit etwas Englisch verstehen, sprechen und schreiben zu können sollte schon vor vorneherein vorhanden sein.

Die Fähigkeit des abstrakten Denkens

Neben einem gesunden Menschenverstand und der Fähigkeit sich Zusammenhänge logisch zu erschließen, muss man darüberhinaus auch in der Lage sein abstrakt zu denken. Einige Theorien der Rechtswissenschaft sind kaum vorstellbar, geradezu abstrakt und lebensfern. Trotzdem muss man sich diese Theorien erschließen können. Es ist eine ganz neue Form zu denken, weil es sichtlich schwer fallen wird auf bekanntes oder vergleichbares zurückgreifen zu können. Ein guter Jurastudent sollte in der Lage sein sich in komplizierte Sachverhalte hereinzudenken. Auch das ist erlernbar, eine gewisse Veranlagung abstrakt zu denken schadet aber sicherlich nicht.

Willensstärke und psychische Belastbarkeit

Machen wir uns nichts vor, das Studium wird nicht einfach werden. Der Studiengang der Rechtswissenschaften besitzt sein eigenes gnadenloses Notensystem (insgesamt 18 Punkte) und vergeben werden in der Regel nur Noten von „befriedigend“ und abwärts. Der Durchschnitt liegt bei „ausreichend“. Wer gute Noten gewohnt ist, das werden wohl die meisten sein, muss eine gute Portion Selbstbewusstsein mitbringen, denn schlechte Noten sind gerade in diesem Studienfach keine Seltenheit. Im Vergleich zu anderen Studiengängen fallen die Noten deutlich schlechter aus. Das ist eine kaum erklärbare juristische Eigenart, denn Jurastudenten sind sicherlich nicht „unfähiger“ als andere Studenten. Trotzdem sind oft Versagens- oder gar Existenzängste vorherrschend. Die Note des ersten Staatsexamens entscheidet maßgeblich über die berufliche Laufbahn. Wer hier schlecht abschneidet muss später um einen Job bangen. Andersherum haben erfolgreiche Absolventen der Staatsexamen beinahe freie Wahl welchen Stelle sie annehmen möchten: Gute Juristen werden immer gesucht! Es ist für neue Studenten eine komplett neue Situation sich jahrelang (4.5 Jahre Regelstudienzeit) auf eine Prüfung vorzubereiten, aber die hat es in sich. Hier gilt es einen kühlen Kopf zu bewahren, auch wenn der eine oder andere Fehlschlag dazu einlädt sich herunterziehen zu lassen. Freizeit ist für Jurastudenten übrigens rar. Meistens muss man darauf verzichten mit seinen Freunden feiern zu gehen, weil noch Arbeit ansteht. In den Semesterferien sind obligatorische Praktika oder Hausarbeiten zu absolvieren. Wer nichts zu tun hat, der macht eindeutig etwas falsch. Das alles erfordert einen starken Willen, eine hohe Motivation und womöglich am wichtigsten, ein reges Interesse für das was man tut.

Organisationstalent

Von der Schulzeit mag man es noch gewohnt sein, ein paar Tage vor der Klausur mit dem Lernen anzufangen. Da ist dieses Prinzip auch wunderbar aufgegangen. Die Anforderungen an eine Klausur während des Studiums sind aber gänzlich anders, hier kann man sich leicht überschätzen und eine Klausur total verhauen. Vorlesungen zu besuchen ist die eine Sache, diese aber im Anschluss ordentlich und wohl geplant nachzubereiten eine ganz andere. Hier ist Selbstständigkeit gefordert. Man sollte am besten eigene Lernmethoden und Lernzeiten entwickeln, sich selbst organisieren. Hat man erst einmal einen Weg gefunden Freizeit und Lerneinheiten miteinander zu verbinden, wird das Studium um ein vielfaches einfacher. Eine gute Organisation und die damit einhergehenden Organisationsfähigkeiten sind daher von entscheidender Bedeutung – planlos sollte niemand durchs Studium gehen. Daher bietet es sich geradezu an zumindest etwas Organisationstalent und Selbstständigkeit zu besitzen. Man kann auf beides nicht verzichten.

Sind die Abiturnoten entscheidend?

Hier antworte ich mit einem klaren „nein“. Die Abiturnoten sind nicht von Relevanz. Grundsätzlich sollte jeder mit einem Abitur Jura studieren können. Meistens ist dieser Studiengang nicht zulassungsbeschränkt, wenn es dann doch der Fall sein sollte liegen die NC-Werte in einem sehr wohl erreichbaren Rahmen. Die Zulassung zum Studium ist also gesichert, auch wenn jemand mit einem schlechten Abitur gegebenenfalls nicht seine Wunschuniversität besuchen kann. Die Abiturnoten sagen jedenfalls nichts über die Eignung als Jurist aus. Es gibt Menschen die ein mäßiges bis schlechtes Abitur abgelegt haben und anschließend mehr als erfolgreich das Jurastudium abschließen konnten. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, gute Abiturnoten und dennoch folgt ein schlechtes Studium. Die Abiturnoten sagen also prinzipiell nichts über die Eignung zum Jurastudium aus, noch weniger über dessen Ausgang. Trotzdem lassen sich hier Tendenzen ablesen, wer es gewohnt ist viel und richtig zu lernen der wird sehr wohl mit besseren Voraussetzungen ins Studium gehen als jemand der bisher noch keine diesbezüglichen Anstrengungen unternommen hat. Wer nicht vorhat im Studium zu lernen der sollte sich das ganze doch noch einmal überlegen, da kommt man nämlich nicht drumherum.

Wirtschaftsjurist v.s. Volljurist

Wer sich heutzutage für einen juristischen Studiengang entscheidet, dem stehen im Grunde genommen zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Neben dem traditionellen Studium der Rechtswissenschaft wird auch der etwas „jüngere“ Studiengang des Wirtschaftsrechts immer populärer. Der folgende Artikel soll beide Studiengänge vor- und gegenüberstellen.

Der Wirtschaftsjurist – Die perfekte Mischung aus BWL und Jura

Der Studiengang „Wirtschaftsrecht“ beinhaltet sowohl Elemente eines BWL- Studiums als auch die des klassischen Jurastudiums. Der Studiengang schließt mit dem „Bachelor of Laws“ (LL.B), beziehungsweise mit dem „Master of Laws“ (LL.M) ab. Anschließend ist eine Promotion zum „Dr. jur“ möglich. Ziel des Studienganges ist es einen wirtschaftsorientierten Juristen zu schaffen, der neben rechtlichen Entscheidungen auch in der Lage ist ökonomisch sinnvolle Entscheidungen im Sinne seines Arbeitgebers zu treffen. Der Wirtschaftsjurist arbeitet in der Regel für größere Firmen und Konzerne und unterstützt diese mit seinem fundierten rechtlich- wirtschaftlichen Fachwissen. Gerade die Balance zwischen Wirtschaft und Recht macht den Wirtschaftsjuristen zu einem gefragten Berufsbild. Insbesondere größere, international agierende Unternehmen greifen vermehrt auf den Wirtschaftsjuristen zurück. Es ist gut möglich, dass ein Volljurist abgelehnt, ein Wirtschaftsjurist jedoch eingestellt wird. Vielen Volljuristen fehlt es einfach am wirtschaftsorientierten Denken, sodass mögliche Arbeitgeber lieber auf wirtschaftlich geschultes Personal zurückgreifen. Die Berufsaussichten sind aktuell (Stand 2014 / 2015) mehr als gut. Wirtschaftsjuristen sind derzeit sehr gefragt und können unter Umständen sogar mit dem Gehalt eines durchschnittlichen Anwaltes mithalten. Das Gehalt variiert jedoch stark. Größere Unternehmen zahlen mehr als kleinere Unternehmen, hier heißt eine gute Stelle  automatisch mehr Geld, es lohnt sich daher sich etwas umzusehen. Der Wirtschaftsjurist erfüllt in erster Linie eine Beratungstätigkeit, er formuliert Verträge, prüft bereits bestehende Verträge und übernimmt eine umfassende Beratung bei rechtlichen, aber auch wirtschaftlichen Problematiken. Er darf im Namen des Unternehmens klagen, jedoch darf er seine Firma ausschließlich als Kläger rechtlich vor Gericht vertreten, die Verteidigung bleibt ihm komplett verwehrt. Die Verteidigung vor Gericht hingegen ist den „herkömmlichen Anwälten“ vorbehalten und erfordert den erfolgreichen Abschluss der beiden Staatsexamina, also die Absolvierung des traditionellen Jurastudiums. Selbstverständlich ist mit diesem Abschluss eine Arbeit als Richter oder Staatsanwalt ebenfalls ausgeschlossen. Es gibt Wirtschaftsjuristen die eine Tätigkeit als außergerichtlichen Mediator („Streitschlichter“) durchführen und damit gutes Geld verdienen.

Oft wird im Internet von den Wirtschaftsjuristen abwertend behauptet sie seien „nichts Halbes und nichts Ganzes“. Tatsächlich müssen beide enthaltenden Studiengänge in ihrer inhaltlichen Vielfalt kürzer treten. Die kompletten Inhalte beider Studiengänge in einem Studiengang zu integrieren wäre ein enormer Stoff- und Zeitaufwand, der für viele der Studierenden wohl kaum tragbar wäre. Das heißt es werden sehr wohl Abstriche gemacht und das gilt für rechtliche und wirtschaftliche Inhalte gleichermaßen. Daher handelt es sich hierbei vielmehr um ein Schwerpunktstudium. Die Kerne beider Disziplinen werden auf verständliche Weise gelehrt und auf das Wichtigste verkürzt. Macht das diesen Studiengang unvollständig? Nein, denn der Studiengang vereint beide Studiengänge um eine perfekte Mischung aus Recht und Wirtschaft zu erzeugen, nicht um beides perfekt zu beherrschen. Bis zum „Bachelor of Laws“ dauert es in der Regelstudienzeit 6 Semester. Hier hat der Wirtschaftsjurist bereits einen universitären Abschluss in der Tasche, wohingegen der herkömmliche Jurastudent mit einer Regelstudienzeit von 9 Semestern noch keinen akademischen Abschluss erwerben konnte. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass der Wirtschaftsjurist das leichtere Studium absolviert. Dies soll keineswegs bedeuten, dass dieser Studiengang einfach sei, im Vergleich zu einem normalen Jurastudium ist er allerdings bedeutend einfacher. Hier fällt kein Staatsexamen an, sondern die vergleichsweise einfache Bachelor- beziehungsweise Masterarbeit. Wer denkt, er könne das Staatsexamen nicht schaffen, dem bietet sich mit diesem Studiengang eine sinnvolle Alternative mit einer durchaus ansehnlichen Zukunftsperspektive.

Vorteile:
+ man erwirbt schneller einen universitären Abschluss
+ der Studiengang ist bedeutend einfacher (kein Staatsexamen)
+ gute bis sehr gute Chancen in großen Firmen
+ etwa das gleiche Gehalt wie ein durchschnittlicher Anwalt
+ gute Zukunftsaussichten, da gute Joblage

Nachteile:
– keine gerichtliche Vertretung möglich
– inhaltlich „abgespeckt“

Das gewöhnliche Studium der Rechtswissenschaft

„Volljurist“ kann man aktuell nur durch ein Studium der Rechtswissenschaft und einem entsprechenden Referendariat werden. Hierzu muss man zunächst den 9 Semester umfassenden universitären Teil mit erfolgreichem Abschluss des ersten Staatsexamens absolvieren. Viele Studenten überschreiten die Regelstudienzeit und absolvieren ihr Studium innerhalb von 10 oder 11 Semestern. Anschließend muss sich der zukünftige Volljurist einem zweijährigen Referendariat stellen, in dem er alle bekannten juristischen Positionen (Anwalt, Staatsanwalt, Richter) einmal bekleidet. Daraufhin erfolgt das zweite juristische Staatsexamen. Die beiden Staatsexamina sind etwa annähernd gleich strukturiert und umfassen jeweils 7-8 Klausuren (5h pro Klausur), mündliche Vorträge und gegebenenfalls zusätzlich geforderte Leistungen (etwa Hausarbeiten im universitären Teil des ersten Staatsexamens). Sie zählen zu den schwersten Prüfungen Deutschlands und besitzen in der Regel eine hohe Durchfallquote, die Absolventen erreichen im Regelfall nur mäßige Ergebnisse. Hat man es erst einmal durch das mühselige Jurastudium geschafft, so stehen einem alle Türen offen, vorausgesetzt die Noten stimmen. Leider ist für „durchschnittliche“ Juristen der Arbeitsmarkt hart umkämpft, einen Job als Anwalt zu finden gestaltet sich mitunter als sehr schwierig. Auf 500 Menschen kommt heutzutage bereits 1 Anwalt, der Konkurrenzdruck ist dementsprechend hoch. Dennoch sollte man sich nicht entmutigen lassen. „Gute Juristen werden immer gesucht“ – wer sich hieran hält, der braucht sich keine Sorgen zu machen. Hier kann man sich durch eine Promotion, sehr guten Fremdsprachenkenntnissen oder Zusatzqualifikationen von seinen Mitbewerbern absetzen. Der Volljurist kann anschließend als Richter, Staatsanwalt, (Fach-)Anwalt, Notar, oder als Verwaltungsjurist tätig werden. Selbstverständlich kann auch der Volljurist in die Wirtschaft gehen. Das Gehalt variiert je nach Tätigkeit und Kanzlei, hier tun sich geradezu Abgründe auf.

Vorteile:
+ umfassende(re) rechtliche Schulung
+ vielfältige Arbeitsmöglichkeiten (u.a. Richter, Staatsanwalt, Notar …)
+ Arbeit im Staatsdienst möglich
+ in höheren Positionen ein deutlich höheres Gehalt

Nachteile:
– schwierige Joblage – „Juristenschwemme“
– langwierige juristische Ausbildung (4,5 Jahre Studium / 2 Jahre Referendariat)
– sehr schwere Staatsexamina
– keine oder kaum wirtschaftliche Inhalte

Warum nicht beides?

Wer das erste Staatsexamen abschließt, besitzt automatisch die Zugangsvoraussetzung zum „Master of Laws“. Der Bachelor muss nicht noch zusätzlich erworben werden. Wer möchte, kann so den LL.M direkt dem ersten Staatsexamen anschließen und somit seine Einstellungschancen beträchtlich begünstigen. Einige überregional agierenden Anwaltskanzleien fordern sogar den „Master of Laws“ als unabdingbare Zusatzqualifikation. Wer hingegen in den Staatsdienst treten möchte, sollte von dieser Möglichkeit absehen. Sie schafft keine nennenswerten Vorteile und verzögert höchstens den Einstieg in den Beruf.