Juristische Symbole

Jede Berufsgruppe kommt mit ihren ganz individuellen Symbolen, die oftmals eine sehr metaphorische und gelungene Form der Repräsentation darstellen. Ärzte etwa identifizieren sich mit dem „Äskulapstab“, die Schlange die sich um einen hölzernen Stab wickelt. In diesem Artikel sollen einige (typisch) juristische Symbole vorgestellt werden. Besonderer Fokus liegt auf der Bedeutung der Symbole, sowie dessen Herkunft, sofern diese bestimmbar ist.

1) Justitia – die altrömische Göttin der Gerechtigkeit

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(Cudrefin-justice.jpg – Urheber: Roland Zumbuehl)

Justitia ist die personifizierte Gerechtigkeit und das wohl verbreitetste Symbol für Recht und Gerechtigkeit. Oft ist sie in Gerichten oder wichtigen öffentlichen Einrichtungen, etwa Rathäusern anzutreffen. Sie besteht aus drei wesentlichen charakteristischen Elementen, der Waage, der Augenbinde und dem Schwert. Jedes dieser Symbole hat wiederum eine höhere metaphorische Bedeutung hinsichtlich des Rechts . Die Waage im metaphorischen Sinne soll ausdrücken, dass Justitia stets profunde und wohl überlegte Entscheidungen trifft. Eine Waage ist ein genaues Messinstrument und mit genau dem Maße an Genauigkeit wiegt sie Recht und Unrecht, Schuld und Unschuld und die daraus resultierenden Entscheidungen sorgsam miteinander ab, um letztlich sicherzustellen, dass sie befähigt ist die richtige Entscheidung zu treffen. Schließlich ist es nicht immer leicht eine gerechte Entscheidung zu treffen, besonders dann, wenn sich mehrere Parteien gegenüberstehen und nur eine Partei letzenendes recht bekommt kann. Die Waage findet sich sehr oft auch als eigenständiges, von Justitia losgelöstes Symbol auf juristischen Webseiten wieder, wie etwa in unserem Header .

Der sensiblen Waage steht das gewaltige Schwert der Justititia gegenüber. Es symbolisiert die tatkräftige und erbarmungslose Durchsetzung des Rechtes. Ein Schwert verschafft seinem Nutzer Macht, Einfluss und Autorität. Genau diese Attribute möchte auch Justitia verkörpern. Sie nutzt das Schwert einerseits um das Recht zu schützen, sprich zur Verteidigung des Rechtes im rein defensiven Sinne, andererseits finden sich auch wesentlich offensivere Züge in einigen Justitia- Darstellungen. In diesen hält Justitia ihr Schwert gehoben und in einer drohenden Haltung. Das steht für die gnadenlose Vollstreckung des Rechtes. Das Recht wird durchgesetzt und das, sofern es erforderlich ist, mit einer kriegerischen Geste wie dem Schwert. Das Schwert kann genauso gut auch Justitias Wachsamkeit symbolisieren. Es finden sich Darstellungen, in denen Justitia ihr Schwert auf den Boden stützt, als würde sie darauf warten es einsetzen zu können. Das symbolisiert in erster Linie stetige Wach- und Aufmerksamkeit.

Als drittes, sehr auffälliges Merkmal der Justitia ist die Augenbinde zu erwähnen. Früher stand sie ironischerweise für die Blindheit des Gesetzes. Mittlerweile ist die gängigste Deutung jedoch die, dass Justitia die Augenbinde trägt um ein Höchstmaß an Objektivität zu gewährleisten. Sie sieht nicht die Menschen über die sie zu urteilen hat, daher wird niemand unangemessen bevorzugt oder benachteiligt. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Diesen Gleichheitsgrundsatz finden wir auch in unserem Grundgesetz in Art. 3 Abs. 1 GG wieder. Demnach urteilt Justitia ohne auf Herkunft, Ansehen, Macht, Hautfarbe, Geschlecht, religiöse Anschauungen (…) abzustellen. Wenn man sich die durchaus vielseitigen Darstellungen der Justitia ansieht, so wird man verdutzt feststellen, dass sie nie am lächeln ist. Das soll wiederum die Ernsthaftigkeit der Justitia repräsentieren. Sie nimmt ihre „Mammutsaufgabe“ nicht auf die leichte Schulter und ist sich der Ernsthaftigkeit ihrer verantwortungsreichen Aufgabe vollkommen bewusst. Je nach Alter der jeweiligen Darstellung wird Justitia leicht verändert dargestellt, früher hatte sie beispielsweise keine Augenbinde, im Kern ist sie jedoch immer deutlich zu erkennen. Insgesamt, so muss man sagen, wird sie der Verkörperung unseres Rechtssystems gerecht. Sie akzentuiert meisterlich die Eigenschaften die unser Recht besitzt oder zumindest besitzen sollte, so etwa die Objektivität und die Genauigkeit bei der Rechtsprüfung.

2) Das Paragraphenzeichen

583px-Paragraph(Pararagraph.png – Urheber: SvaRoM)

Auch das Paragraphenzeichen (§) wird oft mit dem Recht assoziiert. Schließlich sind die meisten Gesetzestexte in Paragraphen gegliedert. Doch was bedeutet überhaupt das Paragraphenzeichen? Die Herkunft des Paragraphenzeichens ist längst nicht so juristisch wie es den Anschein hat. Es ist strittig, woher das Paragraphenzeichen tatsächlich stammt, es ist aber sehr wahrscheinlich, dass es dazu diente einen Text in Abschnitte zu unterteilen ohne eine Leerzeile zu verwenden. Hintergrund für diese außergewöhnliche Nutzung sind die hohen Kosten von Papier in früheren Zeiten. Damals wollte man möglichst platzsparend schreiben und möglichst wenig unbeschrieben lassen. Da kommen Lehrzeilen denkbar ungelegen. Statt eine Lehrzeile zu setzen, wurde damals ein doppeltes „S“ (SS) gesetzt. Das doppelte S steht für „signum sectionis“ was übersetzt so viel wie „Zeichen des Abschnittes“ bedeutet. Einige gehen davon aus, dass das Paragraphenzeichen ein eben solches ineinander geschriebenes doppeltes S darstellt. Zumindest die Funktion wäre nach wie vor dieselbe, auch heute werden noch (Gesetzes-)Texte damit gegliedert und strukturiert.

3) Der Richterhammer

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(3D Judges Gavel.jpg – Urheber: Chris Potter)

Der Richterhammer ist hierzulande nicht anzutreffen, er ist in keinem deutschen Gericht zu finden. Dennoch assoziieren auch viele Deutsche den Hammer mit Recht und Gesetz, was vor allem an den vielen amerikanischen Filmen liegt, in denen der Hammer als fester Bestandteil des Gerichtes präsentiert wird. In Amerika ist der Richterhammer tatsächlich etwas ganz gewöhnliches. Er wird immer dann geschlagen, wenn der Richter ein Urteil gefällt hat, oder er für Ruhe im Gericht sorgen möchte. Der Richterhammer demonstriert damit in erster Linie die Autorität und Machtposition des Richters. Der Hammer selbst ist aus Hartholz und wird auf einen Holzblock geschlagen. Obwohl der Richterhammer im deutschen Recht keine große Beachtung findet, wird er doch regelmäßig mit Recht und Gerechtigkeit verbunden. Historisch betrachtet könnte der Richterhammer aus dem mittelalterlichen England stammen, wo bargeldlose Mietgeschäfte mit einem Hammerschlag besiegelt wurden.

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2 thoughts on “Juristische Symbole

  1. Als Juristische Symbole dienen auch die Schöffen als Vertreter des Volkes. – Solange das Schöffen(un)wesen nicht reformiert wird, wirken sie in der Strafjustiz wie Ministranten mit, die die Liturgie (StGB und StPO) nicht kennen.

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