Juristische Android-Apps

Smartphones haben sich in unserer Gesellschaft gut etabliert und sind mittlerweile zu ständigen Begleitern geworden – wo man auch hinsieht, man trifft auf Smartphones, sowie Menschen, die immer mehr Aufgaben an die kleinen Helfer übergeben. In den letzten Jahren hat nicht nur die Leistungsfähigkeit der Geräte massiv zugenommen, sondern auch deren Bedeutung im Alltag und so ist es kaum verwunderlich, dass es auch im juristischen Bereich inzwischen eine stattliche Auswahl an Anwendungen gibt. Einige sind kostenpflichtig, wiederum andere finanzieren sich über eingeblendete Werbung. Dieser Artikel kann unmöglich alle verfügbaren Apps abdecken, er nimmt vielmehr eine handerlesene Auswahl kostenfreier Android-Apps genauer unter die Lupe. Apps können das herkömmliche Lernen gewiss nicht abnehmen, aber womöglich bieten sie eine gute Möglichkeit den Lernstoff zu wiederholen, oder etwas Zeit auf sinnvolle Weise totzuschlagen.

1) „Signum Sectionis“ von zeitzeuge

Mit „Signum Sectionis“ erhält der Nutzer eine Lernapp, die gezielt juristisches Basiswissen vermittelt und durch Anschlussfragen das frisch Gelernte nochmals überprüft. Nur wenn alle Fragen korrekt beantwortet werden gilt eine „Prüfung“ als bestanden, andernfalls muss sie der Nutzer erneut absolvieren. Abgedeckt werden die wesentlichsten Grundlagen aus den drei großen Rechtsgebieten Strafrecht, Zivilrecht und Öffentliches Recht. Finales Ziel ist es, gut vorbereitet in das erste juristische Staatsexamen zu gehen, aber auch für die Zwischenprüfung und den großen Schein soll die App den Nutzer fit machen. Das Lernkonzept geht wunderbar auf und sichert gefestigtes Wissen. Das Skript vermittelt zunächst einen systematisch geordneten Überblick über die Lerninhalte und das Repetitorium fragt anschließend die Inhalte ab. Zwar sind sämtliche Inhalte kostenlos verfügbar, jedoch müssen einzelne Inhalte durch eine interne Währung freigeschaltet werden. Diese verdient man durch Erfolge, wie etwa bestandene Prüfungen. Ebenfalls sehr schön ist das Levelsystem. Durch gute Leistungen sammelt man Erfahrungspunkte und steigt in seinem Level auf, das kann durchaus sehr motivierend wirken. Leider befindet sich die App noch in einem frühen Entwicklungsstadium, daher sind längst nicht alle Inhalte und Funktionen verfügbar. Darauf wird in der App-Beschreibung aufmerksam gemacht: „Das Skript sowie das Repetitorium weisen nicht unerhebliche Lücken auf“. Durch regelmäßige Aktualisierungen werden neue Inhalte und Funktionalitäten hinzugefügt. Wie es den Anschein hat, steckt hinter Signum Sectionis eine einzige Person, daher ist es natürlich verständlich, dass neue Inhalte mitunter auf sich warten lassen. Für dieses Problem wurde bereits die passende Lösung gefunden:

„Wie euch möglicherweise aufgefallen sein wird, weist das Skript bisher noch einiges an Mängeln auf. Neben dem sonstigen Aufwand, den die Betreibung der App mit sich bringt, sind die zeitlichen Ressourcen zur effektiven Überarbeitung des Skripts sehr knapp, sodass die Erweiterung des Skripts sehr schleppend voran geht. Daher plane ich, eine Funktion einzurichten, die es dem Anwender ermöglicht, sich an der Bearbeitung des Skripts zu beteiligen. Die Inhalte würden dann, nach genauer Überprüfung, in die App eingefügt.“

– Der App Betreiber im Januar auf seiner Facebookseite

Nach meinem Kenntnisstand existiert bisher keine Möglichkeit zur aktiven Teilnahme, oder ich habe sie schlichtweg übersehen. Das ist sehr bedauerlich, denn gerade die ehrenamtliche Mitarbeit der Benutzer würde die App erheblich in ihrem Umfang bereichern.

Fazit: Alles in allem ist die App sehr gelungen und wirklich empfehlenswert! Sie schafft es die Lernübungen mit sehr viel Spaß und Motivation zu verbinden, zugleich aber die wichtigsten Basiskenntnisse rund ums deutsche Recht nachhaltig zu vermitteln. Einziger Makel sind die teils erheblichen Lücken, die hoffentlich in zukünftigen Aktualisierungen verkleinert werden. Momentan kann keine (wirksame) Examensvorbereitung durch die App erfolgen, wobei das sicherlich von einer App viel zu viel verlangt wäre.

Hier geht es zum Download von Signum Sectionis über Google Play!

2) „JuraDuell“ von Great Bytes Software

Sich spielerisch Wissen aneignen? Ja, das geht wunderbar! Bei JuraDuell handelt es sich um eine kostenlose Quiz-App rund um juristische Themen. In insgesamt acht Spielrunden mit jeweils drei Fragen kann sich der Nutzer mit seinem Gegenspieler messen. Die Fragen entspringend dabei den unterschiedlichsten Rechtsgebieten. Es besteht die Möglichkeit gegen die eigenen Freunde anzutreten, oder aber gegen unbekannte Gegenspieler zu spielen. Durch die regelmäßige Benutzung kann man auf sehr unterhaltsame Weise sein geballtes Wissen unter Beweis stellen, Wissenslücken ausmachen, oder längst vergessene Studieninhalte wieder in Erinnerung rufen. Der Wettkampfcharakter verleiht der Lernerfahrung einen zusätzlichen Motivationsschub, schließlich möchte man seine Gegner ausstechen und möglichst viele Punkte erzielen. Gerade für unterwegs eignet sich die App hervorragend. Kleinere Wartezeiten können sinnvoll überbrückt werden. Ein weiterer sehr positiver Punkt ist die Plattformunabhängigkeit. Die App ist für Android und iPhones erhältlich, beide Systeme nutzen dieselbe Software. Trotz eines guten Spielprinzipes ist die technische Umsetzung noch ausbaufähig. Auf eine Benachrichtigung dass ich am Zug bin, warte ich manchmal vergebens, obwohl selbige in den Einstellungen aktiviert wurde. Hin und wieder kommt es zu Aktualisierungsfehlern. So habe ich einmal ein und dieselbe Runde zweimal spielen können, da bei der ersten Beantwortung die Fragen nicht erfasst wurden. Natürlich waren mir dadurch die Lösungen allesamt bekannt. Hinzu kommen gelegentliche Abstürze, Hänger und anderweitige Probleme. Desweiteren kann es einige Zeit in Anspruch nehmen bis ein zufälliger Spieler gefunden wurde. Dadurch wird es nahezu unmöglich eine spontane Partie zu spielen, es sei denn, man hat bereits seine Freunde eingeladen, welche spielbereit auf einen warten. Die Wartezeiten haben in meinem Versuch stark variiert und reichen von wenigen Sekunden bis vielen Minuten (60+).

Fazit: JuraDuell ermöglicht durchaus einen lohnenswerten Zeitvertreib, gerade kleinere Wartezeiten im Zug oder im Bus können mit ein paar kurzweiligen Partien zum Erlebnis werden. Die Fragen sind soweit gut gewählt, Fehler konnte ich im Zuge meines kurzen Tests nicht ausmachen. Insgesamt wirkt die App sehr professionell und optisch ansprechend. Die Nutzer können auf Wunsch ihre eigenen Fragen einschicken, oder die bestehenden Fragen korrigieren. Die (technische) Umsetzung kann hingegen ziemlich Nerven kosten, besonders was die reibungslose Nutzung betrifft. Hier herrscht meiner Meinung nach Verbesserungsbedarf. Alles in allem eine eher durchschnittliche App, die ihr Potential bedauerlicherweise längst nicht ausreizt.

Hier geht es zum Download von JuraDuell über Google Play!

3) „Gesetze“ von Witoslav Koczewski

Zugegeben, in Sachen kreative Namensgebung verdient die App sicher keinen Preis, doch kann sie in anderen Punkten überzeugen? Ja, das kann sie. Diese App ist ein umfassendes Nachschlagewerk, mit dem nahezu das gesamte Bundesrecht nachgeschlagen werden kann. Darunter natürlich auch das BGB / StGB, die ZPO / StPO und viele weitere. Dicke Gesetzestexte gehören damit der Vergangenheit an, zumindest wenn es darum geht, unterwegs „mal schnell“ ein paar Normen nachzuschlagen. Das beste daran: Einmal heruntergeladen können sämtliche Gesetzestexte offline nachgeschlagen und durchsucht werden. Es ist möglich einzelne Normen mit Schlagwörtern zu versehen („lesen“ / „merken“), damit zu späterem Zeitpunkt einfach darauf zugegriffen werden kann. Auf diese Weise geht nichts verloren und man bekommt einen guten Überblick über die Normen, die man sich noch einmal vertieft anschauen wollte. Die Volltextsuche funktioniert einwandfrei und liefert gute Suchergebnisse. Durch die Gesetzestexte zu navigieren fällt leicht. Das Design ist schlicht, aber durchaus ansehnlich. Insgesamt gibt es nicht viel zu bemängeln. Nur eine Sache hat mich etwas gestört und das sind die fehlenden Abschnittbezeichnungen und Titel. Hier wird einfach nur lieblos durchnnummeriert. Beispiel: Schlägt man das BGB innerhalb der App auf, so steht dort „Buch 1 → Abschnitt 1 → Titel 1“, mit konkreten Betitelungen würde dort stehen „Buch 1: Allgemeiner Teil → Abschnitt 1: Personen → Titel 1: Natürliche Personen, Verbraucher, Unternehmer“. Da Gesetzestexte grundsätzlich systematisch aufgebaut sind, würde eine (vollständige) Einblendung der Überschriften sicherlich für mehr Orientierung sorgen, gerade in weniger bekannten Gesetzestexten.

Fazit: Wer unterwegs ist und ohne große Umstände ein paar Normen nachschlagen möchte, der ist mit der „Gesetze“-App gut bedient. Sie bietet eine sehr umfassende Auswahl an Gesetzestexten, welche übrigens direkt von der Seite des Bundesministeriums (BMJ) für Justiz übernommen werden, besticht durch ein übersichtliches Design und einer einfachen Navigation. Hier und da könnten Kleinigkeiten verbessert werden, da aber aktiv an der App gearbeitet wird, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit bis auch die letzten Kleinigkeiten verbessert werden.

Hier geht es zum Download von Gesetze über Google Play!

4) „Gesetze Deutschland“ von Daniel Liebig

Basierend auf dem namhaften Internetportal buzer.de bietet auch diese App eine mobile Möglichkeit zur bequemen Recherche in Gesetzestexten. Vom Funktionsumfang ist diese App jedoch umfassender als die vorherige. Neben den „reinen“ Gesetzestexten werden auch Gesetzesänderungen, Gesetzesentwürfe und Gesetzesbegründungen angeboten. Es finden sich zudem Verweise in Form von Verlinkungen wo sie angebracht sind. Die Suche funktioniert auch hier einwandfrei. Von der Bedienung her finde ich diese App sogar ein wenig angenehmer. Das Design ist schlicht, aber dennoch ansprechend. Leider ist eine Offlinenutzung nicht möglich, zumindest soweit ich das überblicken konnte. Das ist besonders für die Leute bedauerlich, die keine Internetflat besitzen, oder aber regelmäßig mit schlechtem Empfang zu kämpfen haben. Das verbleibt allerdings mein einziger Kritikpunkt. Buzer hat mich bereits auf der Webversion stets überzeugt, die mobile Anwendung steht der durchaus positiven Nutzererfahrung der Webversion in nichts nach. An dieser Stelle sei auch der tolle Support erwähnt. Herr Liebig antwortet zügig und geht Probleme rasch an, das ist gerade im Bereich der mobilen Anwendungen Gold wert.

Fazit: Mal abgesehen vom Onlinezwang eine sehr gelungene App. Sie besticht nicht zuletzt durch ihre zahlreichen Zusatzfunktionen und die wirklich selbsterklärende Bedienung. Der erstklassige Support setzt dem Ganzen die Krone auf. Eine klare Empfehlung meinerseits!

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5) AnkiDroid (Karteikartensystem) von AnkiDroid Open Source Team

Diese App hat zunächst nicht sehr viel mit der Rechtswissenschaft oder dem deutschen Recht zu tun. Es handelt sich um AnkiDroid, ein plattformübergreifendes und queloffenes Karteikartensystem, welches das Lernen mit Karteikarten zum Kinderspiel machen soll. Karteikarten sind unter Jurastudenten ein beliebtes Hilfsmittel und sie eignen sich wunderbar um Definitionen, Schemata und kurze Basisinformationen zu lernen. AnkiDroid bietet gegenüber den konventionellen Karteikarten weitreichende Vorteile. Der offensichtlichste Vorteil liegt darin, dass man jederzeit und an jedem Ort lernen kann, ohne stapelweise Karteikarten mit sich herumzuschleppen, oder selbige mühevoll vorzusortieren. AnkiDroid kann problemlos mehr als 100.000 Karteikarten speichern, wahlweise können die erstellten Karteikarten mit Audios, Bildern und Videos versehen werden. Die App bietet darüber hinaus umfangreiche Einstellungen. Es lässt sich unkompliziert festlegen, wann und wie oft bestimmte Karteikarten abgefragt werden sollen. Es gibt auch für jeden „Karteikartenstapel“ eine eigene (Erfolgs-)Statistik, so lassen sich problemlos diejenigen Themen ausmachen, bei denen noch Lernbedarf besteht. Auf der anderen Seite kann die App auch Erfolgsmomente bescheren, wenn denn alles gut gelaufen ist. Anki gibt es nicht nur unter Android, sondern es ist auch auf Windows, Mac, Linux, iOS und so ziemlich jedem Gerät mit funktionierendem Internetbrowser anzutreffen. Dabei können die einzelnen Karteikarten schnell und einfach exportiert werden, sei es um sie auf mehreren Geräten parallel zu nutzen, oder um sie mit befreundeten Kommilitonen zu teilen / tauschen. Wenn es um die Benutzung auf mehreren Geräten geht, wird soagr eine Funktion zur Synchronisierung angeboten.

Fazit: Effektives lernen und Wiederholungseinheiten lassen sich auch über das Smartphone verwirklichen. AnkiDroid ist dafür eine sehr gute Wahl, dennoch sollte beachtet werden, dass zuvor jede Menge Arbeit investiert werden muss. Der Aufwand ist hoch, das wage ich nicht anzuzweifeln, aber er liegt in etwa in dem Rahmen, in dem sich auch die Erstellung herkömmlicher Karteikarten bewegt. Besonders ansprechend ist die automatische Abfragefunktion. Per Benachrichtigung erinnert die App an fällige Wiederholungen. Wie oft abgefragt wird richtet sich danach, wie gut der Stoff bereits beherrscht wird. Für Liebhaber von Karteikarten eine absolute Empfehlung!

Hier geht es zum Download von AnkiDroid über Google Play!


Es wird vermutlich einen weiteren Teil mit App-Vorstellungen geben, sofern bestimmte Apps bevorzugt getestet werden sollen, so bitte ich um einen kurzen diesbezüglichen Hinweis in der Kommentarfunktion.

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